Gegründet am 12. des Brachmonds a.U. 98 — dem 12. Juni 1957. Zugeteilte Reychsnummer: 335.
Wetzlar — der Ort, an dem dieses Reych sippt
Wetzlar wird 832 erstmals urkundlich genannt, als Ingold dem Kloster Lorsch Besitz in „Weftifa“ schenkt. Um 897 weiht Graf Gebhard eine Salvatorkirche; aus dem Marienstift seiner Söhne wird der heutige Dom, dessen gotischer Neubau um 1230 beginnt und dessen Nordturm nie fertig wurde. 1180 erhebt Kaiser Friedrich I. Barbarossa Wetzlar zur Freien Reichsstadt. Seit einem Vertrag vom 8. September 1561 nutzen Katholiken und Lutheraner denselben Kirchenraum — der Dom ist Simultankirche und ist es geblieben.
Die Jahre, die Wetzlar in die Reichsgeschichte einschreiben, beginnen 1689. Nach der Zerstörung Speyers verlegt das Reichskammergericht seinen Sitz an die Lahn und bleibt dort bis 1806. Ein eigenes Gerichtsgebäude hat es nie besessen: erst das alte Rathaus, von 1756 bis 1782 ein Haus am Domplatz, danach das Ingelheimsche Palais. Zwischen 1767 und 1776 läuft die Große Visitation, und in diesen Jahren steht die kleine Stadt im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des Alten Reiches.
Nach 1648 waren fünfzig Richter angestrebt, tatsächlich saßen zwanzig in zwei Senaten; 1782 waren es achtundzwanzig in drei Senaten, bei 220 bis 250 neuen Fällen im Jahr. Dass 1806 Verfahren unerledigt blieben, ist keine Anekdote, sondern die Rechnung daraus. Mehr dazu — und was die Wetiflar aus diesem Gericht gemacht hat — steht auf der Seite Das Reychskammergericht der Wetiflar.
1803 verliert Wetzlar die Reichsunmittelbarkeit, 1806 endet mit dem Alten Reich auch das Gericht, 1815 fällt die Stadt an Preußen. Was folgt, ist Industrie: 1869 sind im Stadtgebiet einhundert Bergwerke auf Eisenerz in Betrieb, 1872 bläst Buderus den ersten Hochofen an, 1926 endet der Bergbau. Und 1849 gründet Carl Kellner in Wetzlar ein Optisches Institut, das Ernst Leitz 1869 als alleiniger Inhaber übernimmt und unter seinem Namen weiterführt. Dort entwickelt Oskar Barnack 1913/14 das Kleinbild von 24 × 36 Millimetern; 1925 wird die Leica auf der Leipziger Frühjahrsmesse vorgestellt. Um 1920 arbeiteten etwa 1.400 Menschen im Werk, 1956 etwa 6.000 — in den Jahren also, in denen das Reych Wetiflar entstand.
Ein kurzer Satz zur Verwaltung, weil er sonst irritiert: Von 1977 bis zum 31. Juli 1979 war Wetzlar Teil der Stadt Lahn, gebildet aus Wetzlar und Gießen. Seither ist die Stadt wieder eigenständig.
Wie die Wetiflar entstand
UHU hat lange Zeit einen Bogen um das profane Wetzlar gemacht. Die Reychschronik hält fest, die Stadt habe zur Zeit des Entstehens der Wetiflar etwa 38.000 Einwohner gezählt, von denen mehr als die Hälfte durch die Flüchtlingsströme aus dem Osten und Südosten hinzugekommen sei; öffentlich belegt sind 26.250 Einwohner für 1950 und 51.733 für 2010, die Zahl von 1957 ist eine Angabe unserer eigenen Überlieferung. Unter den Hinzugekommenen fand die Schlaraffia ihr eigentliches Reservoir, denn viele Egerländer und Sudetendeutsche, die es in die mittelhessische Lahnlandschaft verschlagen hatte, waren zuvor schon mit ihr in Berührung gekommen.
In der Nachbarschaft war das hohe Reych Zu den Gyssen (Gießen) wieder zu neuem Leben erwacht. Die erste Reychsgründung im Uhuversum nach der UHU-finsteren Zeit war Ob der Dill (Herborn). Ihr folgten Marpurgia Chattensis (Marburg), Lympurgia (Limburg) und An der Sieg (Siegen). Eines Tages erkannten sich in Wetzlar Sassen aus den Reychen Zu den Gyssen, Lympurgia und Ob der Dill und begannen, die Gedanken schlaraffisch vorauseilen zu lassen.
Der Zu-den-Gyssen-Ritter Wummerle der Umstürzler suchte a.U. 95 (1954) Gesinnungsgefährten und traf sich dabei mit anderen Bereitwilligen. Mit unermüdlichem Einsatz übernahm Rt Wummerle, der Vater unseres stolzen Reyches, die Federführung dieser Bestrebungen und berief die Nachbarreyche in die Gemarkungen der künftigen Wetiflar. Man schrieb den 13. des Erntemonds a.U. 95 (13. August 1954); das schlaraffische Leben der künftigen Wetiflar begann.
In den nächsten zwei Jahren trafen sich die Schlaraffen in Wetzlar und der näheren Umgebung; aus Stammtischrunden wurden richtige Sippungen, sodass am 3. des Eismonds a.U. 97 (3. Januar 1956) der Beschluss gefasst wurde, ein Feldlager aufzuschlagen und getreu nach Spiegel und Ceremoniale zu sippen. Als Burg diente das „Haus Ortenbach“, Hauser Gasse 11.
In 24 weiteren Sippungen, in denen die Sassen weiter enge Fühlung mit ihren Mutterreychen hielten, wurden auch die jungen Sassen mit dem schlaraffischen Spiel vertraut gemacht, die nicht durch die Schule eines Reyches gegangen waren. Mit Sendboten vom 12. des Hornungs a.U. 98 (12. Februar 1957) konnte das Mutterreych Zu den Gyssen, das selbst vier Sassen von den dreizehn immatrikulierten Gründungsrittern gestellt hatte, gebeten werden, sich für die Anerkennung der Tochter einzusetzen.
Mit Datum vom 12. des Brachmonds a.U. 98 (12. Juni 1957) erteilte der Deutsche Schlaraffenrat die Genehmigung zur Gründung der Coloney Wetiflar — Wetzlarer Rittertafel und teilte ihr die laufende Nummer 335 zu. 24 Ritter konnten frohgemut im Rittersaal der nahen Feste Gleiberg am 28. des Herbstmonds a.U. 98 (28. September 1957) die Bestätigungsurkunde aus Händen des Vorsitzenden des Allschlaraffenrates, Rt Goschelbauer der Nasenweise, entgegennehmen.
Die Wetiflar durfte die erste Colonie sein, die wieder mit Genehmigung eines gesamtschlaraffischen Gremiums entstand, da erst wenige Tage zuvor ein Allschlaraffenrat gebildet worden war und wieder an die Zeit von vor dem Verbot im Jahre 1933 angeknüpft werden konnte.
Die Sanktion des Reyches mit 28 Sassen am 29. des Windmonds a.U. 99 (29. November 1958) war die letzte im ersten allschlaraffischen Jahrhundert. Gegründet wurde die Wetiflar 1957, sanktioniert 1958 — wo eine profane Notiz das Reych auf 1958 gründet, verwechselt sie beides.
Die Burgen der Wetiflar
Gleichzeitig stand ein Burgwechsel an; man sippte als junges Reych in der „Alten Post“, Sielhöfer Straße 15–17 — jedoch nur für ein Jahr, um dann wieder in die alte Burg zurückzukehren. Nach zwei Jahren musste das Reych erneut auf Wanderschaft gehen, zunächst in das „Haus der Loge“ am Goldfischteich und schließlich, jeweils ab einem 1. Christmond, in das „Haus der Wetzlarer Rudergesellschaft“ in der Inselstraße 10.
In welche Jahrung dieser letzte Umzug fällt, können wir derzeit nicht festschreiben: Unsere eigenen Aufzeichnungen nennen a.U. 102 (1961), eine Ankündigung in der Deutschen Schlaraffen-Zeitung steht im Jahrgang 1964, eine Kurzchronik des Reyches nennt 1966. Drei Angaben, eine Burg — bis der Jahrgang geprüft ist, nennen wir hier kein Jahr.
Zum zehnten Stiftungstag war es dann so weit: Mit der 335. Sippung am 11. des Lethemonds a.U. 108 — dem 11. Oktober 1967 — konnte unsere Burg, die Götzburg in der Hermannsteiner Straße, geweiht werden; das Reych Wetiflar war sesshaft geworden. Dort sippen wir bis heute.
Die Wetzlarer Rittertafel
Das Reych und das Spiel entwickelten sich prächtig, und so pflegte man von Anfang an auch historische Gegebenheiten aus der geschichtsbeladenen Wetzlarer Gemarkung in immer neuen Nuancen schlaraffisch einzubinden.
Dazu gehört insbesondere die Wetzlarer Rittertafel: der historischen Rittertafel nachempfunden, einem vorschlaraffischen Freundschaftsbund der Juristen am Reichskammergericht, dem während seines Wetzlarer Sommeraufenthaltes 1772 auch der junge Johann Wolfgang Goethe als „Ritter Götz der Redliche“ angehörte.
Vor allem die Bezeichnung Ritter und Rittertafel, ferner die Einrichtung der Würdenträger, der Heermeister, der Kanzler, wichtige Staatsbeamte und Ritter sowie Fremde, die mit den untersten Plätzen vorliebnahmen, erinnern auffallend an die Oberschlaraffen, an den Kantzler, die anderen Würdenträger, die Ritter und die Pilger der Schlaraffia. Die Rittertafel versammelte sich regelmäßig zum Mittagsmahle — oder vielmehr: die Mittagessen fanden in der Form der Rittertafel statt.
Goethe hat diese Zeit im zwölften Buch von „Dichtung und Wahrheit“ ausführlich geschildert und so Wetzlar neben seinem Briefroman „Werther“ in der Weltliteratur ein Denkmal gesetzt. Uns Schlaraffen ist Goethe allseits als ES Faust geläufig; in der Wetiflar jedoch wurde er zum ES Götz der Redliche erhoben.
Die Gepflogenheiten und Gebräuche dieser historischen Rittertafel werden von unserem Reych heute genutzt, indem — in drei Stufen — der Orden Götz der Redliche mit der Heermeister-Schärpe verliehen wird. Für befreundete Sassen ist dieser als Einrittsorden zu erlangen.
Die Reychskameralia
Zu einem besonders fröhlich-geistvollen Bestandteil hat sich die Reychskameralia ausgeweitet. An Sitzungen, die zwecks Schlichtung von Händeln zwischen einzelnen Reychen beziehungsweise zur Aburteilung von Missetätern zelebriert werden, nehmen — wie ehedem — Abgesandte aus zahlreichen nahen und fernen Gemarkungen teil. Fungierend auf dem Hohen Stuhl sitzt der Gerichtspräsident, dem wie damals zwei Oberkammerrichter zur Seite stehen. Vor ihnen, zu ihren Füßen, haben die Beisitzer, die Assessores, die juristischen Abgeordneten, die Repräsentanten und Legationssekretäre der Reyche des Uhuversums ihren Platz.
Vor diesem altehrwürdigen Gremium wird nun zur Sprache gebracht, was Reyche und Ritter entzweite und was Recken sich zuschulden kommen ließen. Dem schlaraffischen Spiel wird hierbei zur Entfaltung trefflich Gelegenheit gegeben und mehr als Genüge getan. Doch zu einem Urteil findet man selten — getreu der alten Reichskammergerichtspraxis, wo manche Prozesse sich wegen mangelnden Zusammenhaltes der deutschen Staaten über hundert Jahre hinzogen. Ein geflügeltes Wort, das unsere Überlieferung jener Zeit zuschreibt und das in unabhängigen Quellen nicht nachzuweisen ist, besagte:
„Es hangt so lang wie ein Spruch aus Wetzlar.“
Die Vielzahl der Einritte von Recken befreundeter Reyche gibt Kunde von den belebenden Sippungen der Wetiflar — Wetzlarer Rittertafel. Unser aller Leitgedanke In arte voluptas — „in der Kunst liegt das Vergnügen“ — ist hohes Gebot, das den Gebenden und den Nehmenden verspricht, alt zu werden und jung zu bleiben.
OÄ Rt Schmoky der vom Hinterlande
Die Rittertafel von 1771 — woher das Reych seinen Namen hat
Die Wetzlarer Rittertafel war keine Erfindung der Schlaraffen, und sie ist datierbar. Sie entstand 1771, während der Revision des Reichskammergerichts, als Tafelgesellschaft junger Legationssekretäre und Juristen im Gasthaus „Zum Kronprinzen“ am Domplatz. Gegründet hat sie der braunschweigische Gesandtschaftssekretär August Siegfried von Goué, der bereits 1767 in Wolfenbüttel einen Ritterorden ins Leben gerufen hatte; die Anregung kam vom Ritterdrama „Gabriele de Bergh“ des Legationssekretärs Gotter, der ab dem Sommer 1772 Heermeister der Tafel wurde. Unter dem Heermeister standen ein Kanzler, die Ritter nach Anciennität — und Fremde auf den untersten Plätzen.
Der junge Johann Wolfgang Goethe kam im Mai 1772 zur juristischen Ausbildung an das Reichskammergericht und gehörte der Tafel an. Sein Rittername dort: Götz von Berlichingen, der Redliche. Am 9. Juni 1772 lernte er beim Tanzvergnügen in Volpertshausen Charlotte Buff kennen; Ende Oktober 1772 nahm sich sein Praktikantenkollege Karl Wilhelm Jerusalem in Wetzlar das Leben. Aus beidem wurde 1774 „Die Leiden des jungen Werthers“.
Wer die Ordnung dieser Tafel neben die einer Sippung legt, erkennt die Reihe: Heermeister und Kanzler, Ritter nach Rang, Fremde am Fußende. Damit hat dieses Reych etwas, das sonst kein Reych der Uhu-Netzwerkflotte vorweisen kann — einen namentlich belegten vorschlaraffischen Vorläufer am eigenen Ort. Die Rittertafel von 1771 hat eine eigene Seite.
Die Götzburg in der Hermannsteiner Straße
Gemietet war die Götzburg zunächst. Im Frühjahr a.U. 124 (1983) konnte das Reych sie käuflich erwerben; die Sommerung jener Jahrung stand ganz im Zeichen der Burgbauarbeiten, bei denen hinzugewonnene Räume nutzbar gemacht wurden. Die 25. Jahrung wurde deshalb nicht mit einem großen Fest begangen, sondern mit getrennten Sippungen für die Reyche des Sprengels. Wie lange der Mietvertrag zuvor gelaufen war, geben unsere Unterlagen unterschiedlich an — die Zahl bleibt hier offen. Später wurde der Aufstieg zur Burg durch einen Treppenlift erleichtert, und im Lethemond a.U. 148 (2007) blickte das Reych auf vierzig Jahrungen des Sippens in der Götzburg zurück.
Ein Wort zur Lage, weil die Namen auseinandergehen: Der Archivbeleg zur Weihe von 1967 nennt Wetzlar-Hermannstein, die heutige Anschrift der Burg führt das Reych dem Stadtteil Niedergirmes zu — die Hermannsteiner Straße verbindet beide. Ihren Namen trägt sie von einer profanen Burg, die mit Schlaraffia nichts zu tun hat und doch die Nachbarschaft erklärt: Burg Hermannstein, begonnen um 1376/77 von Landgraf Hermann II. von Hessen, nachdem Graf Johann IV. von Solms-Burgsolms sich 1376 Wetzlars bemächtigt hatte. Sie sollte die Hohe Straße sichern und die hessische Grenze über dem Lahntal halten. Wer in Hermannstein eine Burg vermutet, findet also zwei — eine steinerne aus dem vierzehnten Jahrhundert und eine schlaraffische aus dem zwanzigsten.
Rt Karaphil der Par-Nasser — der Maler Ulrich Leman
Am 10. des Lenzmonds a.U. 97 — dem 10. März 1956, es war die neunte Feldlagersippung — erschien in Wetzlar erstmals der akademische Kunstmaler Ulrich Leman. Im Reych trug er den Titul Rt Karaphil der Par-Nasser.
Leman war kein kleiner Name. Geboren am 15. Oktober 1885 in Düsseldorf, gehörte er 1919 zu den Mitbegründern der Künstlergruppe „Das Junge Rheinland“, deren Gründerkreis auch Otto Dix angehörte; in den frühen zwanziger Jahren war er Meisterschüler von Heinrich Nauen an der Düsseldorfer Kunstakademie, 1927 fand er Aufnahme in den Kreis um Johanna Ey, die „Mutter Ey“. Ab 1930 lebte er in Deià auf Mallorca. Er gilt als einer der letzten Maler des rheinischen Expressionismus.
Im Reych trug er den Lorbeer zum Großursippenorden; bei einer Festsippung auf dem Gleyberg a.U. 125 (1984), zu 125 Jahrungen Schlaraffia, erhielt er den Lorbeer zum Großkristall. A.U. 126 (1985) beging das Reych sein hundertstes Wiegenfest. A.U. 129 ging er auf den einsamen Ritt — am 22. April 1988, im Alter von 102 Jahren; unsere Überlieferung nennt ihn den an Jahren ältesten Sassen des Uhuversums. A.U. 132 erschien ein Bildband über sein profanes Leben, und in der Windmondschlaraffiade a.U. 151 (2010), zu seinem 125. Wiegentag, erkürte ihn die Wetiflar zum Ehrenschlaraffen.
Eine Frage bleibt offen, und wir stellen sie hier lieber, als sie zu übergehen: Wie kam der Düsseldorfer Maler nach Wetzlar? Die öffentlichen Lebensbeschreibungen nennen Düsseldorf und ab 1930 Deià — kein Hessen. Dass er 1956 in der neunten Feldlagersippung saß, ist im Archiv belegt; ob er zeitweise in der Gegend wohnte oder zunächst als Gast einritt, wissen wir nicht. Wer es weiß, möge es uns sagen.
Was die Jahrungen füllen
Das Reychskammergericht. Aus der Wetzlarer Gerichtsgeschichte hat das Reych seine bekannteste Einrichtung gemacht. Belegt sind Sitzungen und Cameralia-Sippungen über Jahrzehnte: am 6. des Ostermonds a.U. 104, am 14. Lenzmond a.U. 105, am 24. des Ostermonds a.U. 109, am 19. Ostermond a.U. 110, am 15. Lenzmond a.U. 116 — und eine Sitzung mit Vertretern von siebzehn Reychen anlässlich eines Wetzlarer Goethe-Jubiläums. Geurteilt wird selten. Das ist der Witz. Mehr dazu auf der eigenen Seite.
Die Drei-Sprengel-Sippungen. Seit dem 9. Windmond a.U. 145 — dem 9. November 2004 — sippen die drei Dienstagreyche Am Eschenwege (312), Wetiflar (335) und Im Suerland (401) gemeinsam. Wer in allen drei Gemeinschaftssippungen nachweislich eingeritten ist, kann Titul und Orden erwerben, in Stufen bis zum Princeps der Dienstagreyche Dreier Sprengel. Zeitlich begrenzt ist das nicht.
Der Reychsausritt. A.U. 145 (2004) verlieh die Wetiflar beim dreizehnten Benzinelefanten-Reychsausritt dem Reych Varelia achtern Diek den AHA-Orden.
Die Feste. Das zehnjährige Bestehen wurde mit rund dreißig Reychen und etwa zweihundert Sassen begangen. Zum zwanzigsten Gründungstag lud das Reych am 11. des Brachmonds a.U. 118 (1977) zum Rosenball. Das vierzigste Stiftungsfest wurde im kleinen Kreis gefeiert, das vierzigjährige Bestehen als Familienfeier in einem Jugendstilraum. Am 22. des Herbstmonds a.U. 148 — dem 22. September 2007 — beging die Wetiflar in der Wetzlarer Stadthalle den 50. Wiegentag. A.U. 158 (2017) folgten sechzig Jahre Wetiflar und fünfzig Jahre Götzburg, a.U. 163 (2022) eine Sippung zu „250 Jahre Goethes Tanz in Volpertshausen“.
Die 1.000. Sippung. A.U. 131 beging das Reych sie im festlichen Rahmen des „Haus des Gastes“ zu Braunfels, im Anschluss an ein Konzert des Allschlaraffischen Orchesters.
Die Verwandtschaft. Wechselnde Freundschaftssippungen bestehen mit Am Eschenwege, Confluentia, Heylbronnen, Pfalzbruggen und Wiesbadensia, dazu die enge Bindung an das Mutterreych Zu den Gyssen und an die Großmutter Nauinheimbia Wettereiba aurea. Von den Oberschlaraffen des Reyches hielten zwei je fünfzehn Jahrungen durch, ein Kantzler und ein Junkermeister je einundzwanzig Winterungen. Fast vierzig eigene Sassen und fünfundzwanzig Ehrenritter hat das Reych zu betrauern. Der Vater des Reyches, Rt Wummerle der Umstürzler, verließ es a.U. 145 als letzter und in achtundfünfzig Schlaraffenjahren nie fehlender Erzschlaraffe.
Zeitstrahl
| Jahr | a.U. | Ereignis |
|---|---|---|
| 1954 | 95 | 13. August — erster Stammtisch, Beginn des schlaraffischen Lebens |
| 1956 | 97 | 3. Januar — Beschluss zum Feldlager; Burg „Haus Ortenbach“, Hauser Gasse 11 |
| 1956 | 97 | 10. März — 9. Feldlagersippung; Ulrich Leman (später ES Karaphil) erscheint erstmals |
| 1957 | 98 | 12. Februar — Sendboten an das Mutterreych Zu den Gyssen |
| 1957 | 98 | 12. Juni — Gründung der Coloney, Zuteilung der Nummer 335 |
| 1957 | 98 | 28. September — Bestätigungsurkunde auf der Feste Gleiberg |
| 1958 | 99 | 29. November — Sanktion mit 28 Sassen; Burgwechsel in die „Alte Post“ |
| offen | — | 1. Christmond — Umzug in das „Haus der Wetzlarer Rudergesellschaft“, Inselstraße 10; die Jahrung ist nicht gesichert (a.U. 102/1961, 1964 und 1966 stehen gegeneinander) |
| 1962 | 103 | 29. Juni — Stiftung des Ordens „Götz des Redlichen“ |
| 1967 | 108 | 11. Lethemond — 335. Sippung: Weihe der Götzburg |
| 1977 | 118 | 11. Brachmond — Rosenball zum 20. Gründungstag |
| 1983 | 124 | Frühjahr — käuflicher Erwerb der Götzburg; Burgbauarbeiten in der Sommerung |
| 1984 | 125 | Festsippung auf dem Gleyberg, „Lorbeer zum Großkristall“ für Rt Karaphil |
| 1985 | 126 | 100. Wiegenfest Rt Karaphil |
| 1988 | 129 | Ahallaritt Rt Karaphil im 103. Lebensjahr |
| — | 131 | 1.000. Sippung im „Haus des Gastes“ zu Braunfels |
| 2004 | 145 | 9. November — erste Drei-Sprengel-Sippung der Dienstagreyche |
| 2007 | 148 | 22. September — Stiftungsfeier: 50 Jahre Wetiflar; im Lethemond 40 Jahrungen Götzburg |
| 2010 | 151 | Windmondschlaraffiade — Erkürung des ES Karaphil |
| 2017 | 158 | 28. September — 60 Jahre Wetiflar und 50 Jahre Götzburg |
| 2022 | 163 | 25. Oktober — „250 Jahre Goethes Tanz in Volpertshausen“ |
Die schlaraffischen Angaben dieser Seite sind im elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv belegt, überwiegend in den Jahrgängen der Deutschen Schlaraffen-Zeitung; der erzählende Teil stammt aus der Feder von OÄ Rt Schmoky der vom Hinterlande. Die profanen Angaben sind mit öffentlichen Quellen belegt. Wo eine Lesung unsicher ist, steht es im Text.
Geschichte der Schlaraffia
🦉 Schlaraffia in Zahlen: Gegründet 1859 · Über 200 Reyche weltweit · 5 Kontinente · Eine Sprache · Eine Gesinnung: Humor, Freundschaft und Kunst.
Die Wiege: Prag, 1859
Es begann mit einer Handvoll Künstler und Intellektueller im Prag des Jahres 1859. Schauspieler, Dichter, Maler – Menschen, die die Schwere der Zeit für einige Stunden ablegen wollten, um gemeinsam zu lachen, zu spielen und Freundschaft zu pflegen. Sie nannten ihre Runde schlicht: Schlaraffia.
Der Name war Programm: Das sagenhafte Schlaraffenland, jenes Land der Leichtigkeit und Freude, sollte für einige Stunden real werden. Kein Standesdenken, keine Hierarchie des Alltags – nur Spiel, Humor und Kunst.
Das Spiel breitet sich aus
Die Idee sprach sich schnell herum. Schon bald entstanden weitere Reyche in anderen Städten des deutschsprachigen Raums: Wien, Berlin, Hamburg, München. Mit der deutschen Auswanderungswelle im 19. und frühen 20. Jahrhundert wanderte die Schlaraffia mit in die Neue Welt.
New York, Buenos Aires, São Paulo – überall dort, wo deutschsprachige Einwanderer eine neue Heimat suchten, gründeten sie auch einen Schlaraffen-Reych. Das Band der gemeinsamen Sprache und des gemeinsamen Spiels hielt sie zusammen – über alle Entfernungen hinweg.
Schlaraffia überlebt die Stürme der Geschichte
Zwei Weltkriege, politische Umwälzungen, Verbote – Schlaraffia hat vieles überlebt. In Deutschland und Österreich wurde die Vereinstätigkeit in den Kriegsjahren eingeschränkt oder unterbunden. Doch kaum war Frieden, lebten die Reyche wieder auf. Dieser Überlebenswille ist kein Zufall: Wo echte Freundschaft herrscht, findet sie immer einen Weg.
Besonders bemerkenswert: Während in Europa manches Reych temporär pausierte, lebte die Schlaraffia in Übersee ungebrochen weiter. Die Allschlaraffia – der weltweite Dachverband – sorgte für Zusammenhalt und Kontinuität.
Die Allschlaraffia – weltweiter Zusammenschluss
Alle Schlaraffen-Reyche der Welt sind in der Allschlaraffia zusammengeschlossen. Dieser Dachverband regelt die gemeinsamen Spielregeln, vergibt Reychs-Nummern und stellt sicher, dass ein Schlaraffe aus Tokyo bei einer Sippung in Frankfurt sofort zuhause ist.
Die Allschlaraffia hält damit etwas aufrecht, das in der modernen Welt selten geworden ist: Eine Gemeinschaft, die auf Werten gründet – nicht auf Profit oder Networking. Humor, Freundschaft und Kunst sind keine leeren Worte, sondern gelebte Praxis bei jedem Treffen.
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Schreiben Sie das nächste Kapitel mit. Ein unverbindlicher Besuch genügt.
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